Swissfundraising Day: Branchentreffen in Bern

Zum elften Mal fand am 20. Juni 2019 der Swissfundraising Day statt. Austragungsort war wie auch schon in den letzten Jahren der Kursaal Bern. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die „Swissfundraising Awards“ vergeben. Katja Prescher, Schweiz-Korrespondentin des Fundraiser-Magazins, war dabei und hat die wichtigsten Fakten und Infos zusammengestellt.

Wer erinnert sich an einen ausgebuchten SwissfundraisingDay? Der diesjährige in Bern übertraf noch einmal den aus dem letzten Jahr – nicht nur von der Besucherzahl her, auch vom vielfältigen Themenangebot der Workshops. Der Tag war gefüllt mit Kompetenz, Inspiration und viel Austausch. Alle, die nicht dabei sein konnten, lesen hier die wichtigste Learnings.

Spender als Investoren

Während ihrer Keynote sprach die weltweit gefragte Fundraising-Expertin Penelope Burk über „Being Donor-Centered in Changing Tim“.

Die Spenderverdankung sollte so persönlich wie möglich gestaltet werden, denn sie ist der wichtigste Touchpoint. Die Marke der Organisation bleibe wichtig, genüge aber nicht mehr. Spender fordern messbare Ergebnisse. Organisationen müssten ihre Spender als Investoren anerkennen, dann würden sie länger spenden.

Neue QR-Rechnung in der Schweiz

Roger Tinner, Swissfundraising-Geschäftsführer, informierte in seinem Roundtable „Fit für QR-Rechnung“ über den Stand der Dinge. Die neue QR-Rechnung wird im Juni 2020 in der Schweiz eingeführt und betrifft grundsätzlich alle NPOs wie auch Dienstleister. Zwar würden die bisherigen Einzahlungsscheine auf eine bisher unbestimmte Zeit weiterhin ihre Gültigkeit behalten, doch mittelfristig wäre diese bewährte Art der Einzahlung von Spenden nicht mehr möglich. Die Arbeitsgruppe „QR-Rechnung“ erarbeitet und publiziert bis Ende 2019 konkrete Empfehlungen für NPOs.

Ziele und Messgrößen festlegen

Gregor Nilsson von der getunik AG lies die Teilnehmer in die Marketing-Automation einsteigen. Mit einem kleinen Case (Test) könnte gestartet und gelernt werden. Dazu müssen Ziele sowie Messgrössen festgelegt werden, an denen der Erfolg gemessen werden könne. Anschließend sollte man sich auf gut funktionierende, sich lohnende Cases fokussieren und diese skalieren.

GivingTuesday unterstützen

Marc-André Pradervand diskutierte mit zwei Vertretern des Global-Team von GivingTuesday, Woodrow Rosenbaum und Kait Sheridan, über den GivingTuesday. Der Swissfundraising-Vorstand beschloss, die Entwicklung von GivingTuesday in der Schweiz verstärkt zu unterstützen. Wichtig dabei sei, dass gerade auch Organisationen nicht versuchen, an diesem Tag selbst Fundraising zu betreiben, sondern ihre Communities zu motivieren, den GivingTuesday in den Vordergrund zu rücken und dann eine Aktion zugunsten ihrer Organisation durchzuführen.

Unternehmen sind überall

Andreas Schiemenz von Schomerus machte in seinem Workshop zu Corporate Philanthropy deutlich, dass Unternehmen überall seien. Wir müssten nur bewusst danach Ausschau halten. Eine gute Netzwerkarbeit sei ein wichtiger Erfolgsparameter für die Ansprache und Bindung von Unternehmen. Als Fundraiserinnen und Fundraiser sollten wir ein Teil dieser Businesswelt werden – mit unserer Expertise als philanthropischer Experte oder Berater.

Crowdfunding nicht nur Fundraising-Instrument

Philipp Rohrer von der Alpen-Initiative gab in seinem Workshop seine Learnings aus der Crowdfunding-Praxis weiter. Ein Crowdfunding-Projekt biete vielseitige Gelegenheiten für die Kommunikation: in der Vorbereitung, der Sammelphase und der Projektumsetzung. NPOs sollten dieses Potenzial nutzen und Crowdfunding nicht ausschliesslich als Fundraising-Instrument ansehen.

Supporter- statt Donor-Journey

Rosanna Clarelli, Greenpeace Schweiz, ist es wichtig, von einer Supporter-Journey und nicht von einer Donor-Journey zu sprechen. Erbschaften erhält Greenpeace von zumeist langjährigen Spendern, die eher kleine Beträge spendeten. Ihre Journey sei nicht linear wie bei der Spenderpyramide. Ihr Tipp: Nicht möglichst viele, sondern die richtigen Touchpoints über eine gemeinsame Geschichte mit Menschen wählen, die die gleichen Werte teilen. Das schaffe Greenpeace über die richtige Segmentierung.

Lernen aus der Verhaltensforschung

Philippe Tobler, Professor für Neuroökonomik und soziale Neurowissenschaften an der Universität Zürich, versuchte Fundraisern aufzuzeigen, was sie aus der Verhaltensforschung lernen können, wenn es darum geht, Verhalten zu ändern. Die Hirnforschung zeige, dass der momentane Zustand des Gehirns sich dauernd ändere und dass er das Spendenverhalten kausal beeinflusse. Das hiesse auch, dass es Sinn machen könnte, immer wieder nach Unterstützung anzufragen, da sich der Gehirnzustand mittlerweile geändert haben könnte.

Am Ende wurde es dann noch einmal spannend, als die Gewinner der erfolgreichsten und kreativsten Fundraising-Aktion des Jahres im Rahmen des Swissfundraising Awards – Biovision und Zürcher Tierschutz – die Bühne betreten durften. 

Text: Katja Prescher
Foto: Fotografie Stampfli Sandra/CH/Bern


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