Face to Face: Qualitätsinitiativen sichern Standards

Spendenwerbung im öffentlichen Raum und an der Haustür hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Insbesondere in der Neuspenderansprache ist die Methode aus dem Fundraising-Mix vieler Organisationen nicht mehr wegzudenken. Initiativen, wie die Qualitätsinitiative Fördererwerbung in Österreich, orientieren sich an Standards und einem Regelwerk für NGOs.

Jährlich werden in Österreich über die Förderwerbung auf öffentlichen Plätzen und an der Haustür mehr als 100 000 Unterstützer für gemeinnützige Projekte gewonnen. Etwa 80 Prozent von ihnen werden in Folge langfristige Spender und bleiben den Organisationen mehrere Jahre treu. Damit zählt Face-to-Face- und Door-to-Door-Fundraising nach wie vor zu den wichtigsten Standbeinen gemeinnütziger Organisationen.

Geringe Beschwerdequote bei Fördermitgliedern

Neben der klassischen Spende über Erlagschein ist bei den 60 Prozent der Österreicher, die spenden, die direkte Unterstützung oder Unterstützungserklärung aus dem Gespräch mit einer Fundraiserin oder einem Fundraiser heraus durchaus beliebt. Während der Erlagschein in Österreich 2018 mit 21 Prozent Zustimmung weiterhin die beliebteste Spendenform war, spendeten beispielsweise 16 Prozent der Österreicher bei Haussammlungen. Insgesamt hat sich die Zahl der Spender, die regelmäßig und systematisch – etwa als Fördermitglieder – spenden, in Österreich seit 2000 von 11 auf 21 Prozent beinahe verdoppelt. Die Beliebtheit dieser Form der Unterstützung belegen auch Umfragen zur Zufriedenheit der Fördermitglieder über die Ansprache im öffentlichen Raum, ebenso wie die geringe Beschwerdequote. Viele Menschen schätzen auch die Möglichkeit, in diesem Rahmen mit NGOs und deren Vertretern persönlich ins Gespräch zu kommen, direkte Informationen über gemeinnützige Projekte zu erhalten und unmittelbar Fragen stellen zu können.

Rechtlicher Hintergrund

Aus rechtlicher Sicht besteht in Österreich ein wesentlicher Unterschied, ob Organisationen Bargeld sammeln oder für Fördermitgliedschaften werben. So wird das Sammeln von Bargeld in allen österreichischen Bundesländern gesetzlich in den Sammlungsrechten geregelt und ist bewilligungspflichtig. Bei der Mitgliederwerbung im öffentlichen Raum und an der Haustür verhält es sich anders. Diese unterliegt dem bundesweiten Vereinsrecht. Außerdem kommen die ausführlichen Widerrufsrechte der Konsumentenschutzgesetze zur Geltung.

Qualitätssicherung des F2F-Fundraisings

Um zu garantieren, dass Förderwerbung gegenüber Passanten qualitätsvoll, professionell und respektvoll durchgeführt wird, hat der Fundraising Verband Austria gemeinsam mit zahlreichen namhaften NPOs 2010 die „Qualitätsinitiative Fördererwerbung“ ins Leben gerufen. Die Initiative setzt Maßstäbe für eine nachhaltig qualitätsvolle Mitgliederwerbung im Interesse der NGOs, der Bürgerinnen und Bürger und der Gesellschaft. Die NGOs, die sich dem umfangreichen Regelwerk unterwerfen, wollen sich bewusst von jeglicher unprofessioneller Straßenwerbung durch einheitlich hohe Qualitätsstandards abgrenzen. Durch die Initiative wurden in den vergangenen Jahren Standards geschaffen, die die Fördererwerbung in einer qualitätsvollen und professionellen Weise sicherstellen. Dazu zählt auch die laufende Weiterentwicklung, Kontrolle und Evaluation. Ebenfalls sorgt die Initiative für eine Koordination der Standplätze, um Ballungen bei der Fördererwerbung im städtischen Raum vorzubeugen.

„Mystery Shopping“ für gute Qualität

Zur Qualitätssicherung führte die Initiative unter anderem „Mystery Shopping“ in ganz Österreich durch. Anhand eines standardisierten Leitfadens prüften unabhängige Tester dabei, wie sehr die Organisationen die Qualitätsstandards einhielten. Die Ergebnisse belegten das hohe Niveau der Mitgliederwerbung. Zudem steht eine eigens geschaffene Ombudsstelle für mögliche Probleme oder Fragen bereit.

Das Recruiting und Gewinnen von genügend neuen Mitarbeitern ist im Bereich des Förderer-Fundraisings mittlerweile eine der wesentlichsten Herausforderungen, die oft über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Aus diesem Grund legt die Qualitätsinitiative seit einem Jahr auch einen Schwerpunkt auf die Imageverbesserung des Berufsbildes der Fundraiser. Dazu wird in der Öffentlichkeitsarbeit nicht nur über qualitätsvolle Fördererwerbung kommuniziert, sondern auch über das Jobprofil der Mitarbeiter. Derzeit wird außerdem eine begleitende Ausbildung mit Zertifikat für Fördererwerber entwickelt.

Qualitätsinitiativen weltweit

Qualitätsinitiativen stellen weltweit das Niveau von Fördererwerbung im Austausch mit Bürgern, Behörden und anderen Stakeholdern auf der einen Seite sicher und heben dieses auf der anderen Seite. Neben Österreich und Deutschland gibt es unter anderem Initiativen in Frankreich, Großbritannien, Australien und Hongkong. Derzeit wird im Austausch ein internationaler Qualitätsstandard entwickelt.

Text: Peter Steinmayer
Foto: RyanMcGuire/pixabay


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